Das Projekt "re:control":Nicht erst seit "9-11" ist der Sicherheitsdiskurs zum hegemonialen Thema der postmodernen Gesellschaft geworden, von dem aus heute alle sozialen Angelegenheiten organisiert werden. Von Thatchers "There is no alternative" über Giulianis "Zero Tolerance" bis hin zum Kampf gegen die Globalisierungsgegner: Sicherheit dient jeweils als naturalisierte Legitimation politischer Entscheidungen und staatlicher Gewaltexzesse. Das Sicherheitsgefühl der Bürger wurde zur populistischen Nullstelle der liberalen Demokratie. Satellitenfotografie, Bewegungsprotokolle von Handynutzern, Vernetzung von Datenbanken, Email-Überwachung, private Sicherheitsindustrie und Lauschangriff ziehen die Schlinge um den Hals der Produktivkräfte enger. Bezeichnenderweise sind es genau diese Techniken und ihre mediale Überaffirmation, die jene Angst schüren, die der Sicherheitsdiskurs zu dämpfen vorgibt und die den privaten Konsum ankurbelt: "Fürchte Dich nicht, kaufe!". Der Überwachungsstaat lebt, und er greift ganz konkret in das alltägliche Leben eines jeden Einzelnen ein. "kuugel" - eine Initiative zur Re-Politisierung des sozialen Diskurses auf universitärer, kommunaler und globaler Ebene - greift das Technoartefakt Überwachungskamera heraus, um die Stadtmenschen Innsbrucks in eine Debatte über den Sicherheitsdiskurs zu verstricken und lokale Interventionen im Umgang mit dem Überwachungsapparat zu initiieren. 160.000 Videokameras überwachen Österreich, schreibt das Innenministerium in seiner Zeitschrift "Öffentliche Sicherheit". "Sichtbare Kameras haben eine abschreckende Wirkung auf Kriminelle, gleichzeitig sollen sich die Bürger sicher fühlen," heißt es dort weiter. Visionen von der totalen Überwachung des öffentlichen Raumes mit Videokameras, von automatischer Gesichtserkennung und Verknüpfung mit polizeilichen Datenbanken lassen ahnen, welch dramatische Veränderungen hier auf die Bürger zukommen. Mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen macht kuugel seit März 2003 diese Fragen zum Thema und ruft an verschiedenen Orten in der Stadt zur Diskussion auf. Parallel dazu ergeht die Aufforderung an alle Innsbruckerinnen und Innsbrucker, Überwachungskameras in der Stadt zu fotografieren und die Bilder auf die Homepage von "re:control" zu posten. Dort werden alle Kamerastandorte gesammelt und dokumentiert. Zugleich werden Beiträge zum Thema Überwachung auf der Homepage lanciert. Im Oktober 2003 werden die Materialien in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert. Vorträge, Diskussionen, Filmscreenings und Installationen werden den diskursiven Kontext zur Ausstellung bilden. |