re:control - Versuche zur Überwachung der Stadt

O.k. "Neoliberalismus" im Schnellsiedekurs - das Prinzip ist einfach: "Outsourcing" lautet das Zauberwort. Man nehme eine x-beliebige Organisiation und restrukturiere diese dahingehend, dass immer mehr Aufgaben in den Verantwortungsbereich immer kleinerer Einheiten delegiert werden können, bis hinunter zu der/dem Einzelnen. Dann eben "UnternehmerIn seiner/ihrer Selbst". Oder auch: "Ich-AG". So weit, so gut. Kann doch gar nicht so schwer sein. Machen wir, wäre doch gelacht! kuugel_macht_(jetzt also auch auf) neoliberal. Outgesourct wird und ihr alle dürft unsere oder vielmehr eure eigenen UnternehmerInnen sein.

Inhalt:

Nicht erst seit "9-11" ist der Sicherheitsdiskurs zum hegemonialen Thema der post-modernen Gesellschaft geworden, von dem aus heute alle sozialen Angelegenheiten organisiert werden. Von Thatchers TINA-Argument "There is no alternative" über Giulianis "Zero Tolerance" bis hin zum bewaffneten Kampf gegen die GlobalisierungsgegnerInnen: Sicherheit dient jeweils als naturalisierte Legitimation politischer Entscheidungen und staatlicher Gewaltexzesse. Das Sicherheitsgefühl der BürgerInnen wurde zur populistischen Leerstelle der liberalen Demokratie, von der aus Politik definiert wird. Satellitenfotografie, Bewegungsprotokolle von HandynutzerInnen, Vernetzung von Datenbanken, Email-Überwachung, private Sicherheitsindustrie, intelligente Etiketten und Lauschangriff ziehen die Schlinge um den Hals der LohnarbeiterInnen enger. Bezeichnenderweise sind es genau diese Techniken und ihre mediale Überaffirmation, die jene Angst schüren, die der Sicherheits-diskurs zu dämpfen vorgibt und die den privaten Konsum ankurbelt: "Fürchte Dich nicht, kaufe!".

re:control

Im Rahmen von Vorträgen und Workshops sollen Konzepte erarbeitet werden, um dem Phänomen Überwachung theoretisch, praktisch und mitunter auch aktivistisch begegnen zu können. Die Lehrveranstaltung ist Teil des kuugel-Projekts re:control (In einer öffentlichen Ausstellung werden die über Internetplattform gesammelten Fotos vom Technoartefakt Überwachungskamera präsentiert. Vorträge, Diskussionen, Filmscreenings und Installationen sowie auch die Lehrveranstaltung bilden den diskursiven Kontext.)

Beiträge zum Thema von:

Oliver Fahrni (freier Autor und Journalist)
Oliver Tolmein (Autor)
Kornelia Hauser (Soziologin)
Bernhard Tilg (Philosoph)
Oliver Marchart (Kulturwissenschafter)
Max Preglau (Soziologe)
Klaus Ronneberger (Publizist und Stadtforscher)
Marion von Osten (Künstlerin und Autorin)
und andere

Literaturauswahl:

Baudrillard, Jean: Der unmögliche Tausch, 2000
Transparenz des Bösen, 1992
Biemann, Ursula: Geographie und die Politik der Mobilität, in: Biemann, Ursula (Hg.) Geographie und die Politik der Mobilität, 2003
Deleuze, Gilles: Postskriptum über die Kontrollgesellschaften, 1990
Massumi, Brian: Everywhere you want to be, Eine Einführung in die Angst in: Härle, Clemens-Carl (Hg.) Karten zu >Tausend Plateaus<, 1993
Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, 1986
Benevolo, Leonardo: Die Geschichte der Stadt, 1983
Schulzki-Haddouti, Christiane (Hg.): Vom Ende der Anonymität. Die Globalisierung der Überwachung, 2001
Davis, Mike: City of Quartz. Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles, 1990
Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, 1976
Holert, Tom; Terkessidis, Mark: Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert, 2002
Laclau, Ernesto; Mouffe, Chantal: Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus, 2000
Lyon, David: The Electronic Eye. The Rise of Surveillance Society, 1994
Haug, Wolfgang Fritz: Politisch richtig oder Richtig politisch, Linke Politik im transnationalen High-Tech-Kapitalismus, 1999
Medosch, Armin (2002): Elektronische Fesseln für Jugendliche, in: Telepolis

KO2, Block 10.-18. Okt. 2003 genaue Angaben siehe Aushang